Landkreis Holzminden (zir). Die Schulstruktur im Landkreis Holzminden nimmt weiter konkrete Formen an. Während ein Bürgerentscheid über den Erhalt der Oberschulen in Bodenwerder und Stadtoldendorf vorbereitet wird, steht gleichzeitig fest: Der geplante Neubau einer Schule in Eschershausen wird umgesetzt. Darüber informierten Landrat Michael Schünemann und Kreisbaurat Ralf Buberti in einem Gespräch mit der Redaktion.
Der Bürgerentscheid über das erste Bürgerbegehren ist für 12. April angesetzt. Die Abstimmung soll klären, ob die Oberschulen in Bodenwerder und Stadtoldendorf dauerhaft als eigenständige Schulen erhalten und lediglich in den bestehenden Gebäuden saniert werden sollen. Die notwendige Zahl an Unterstützungsunterschriften wurde hierfür erreicht.
Ein zweites Bürgerbegehren mit der Frage, ob in Eschershausen eine neue Schule gebaut werden soll, hat hingegen nicht genügend Unterstützungsunterschriften erhalten. Damit wird der Neubau umgesetzt. Der Kreistag hatte bereits beschlossen, spätestens bis zum 1. August 2028 in Eschershausen ein Schulzentrum mit einer vierzügigen Oberschule beziehungsweise IGS mit gymnasialem Zweig zu errichten.
Bürgerentscheid würde Sanierung zunächst verzögern
Sollte sich beim Bürgerentscheid eine Mehrheit für den Erhalt der bestehenden Schulen in Bodenwerder und Stadtoldendorf aussprechen, würden Sanierungsmaßnahmen dennoch nicht unmittelbar beginnen. Nach Angaben des Landrates und des Kreisbaurates müssten zunächst umfangreiche Prüfungen und Planungen erfolgen. Diese Phase könne ein bis zwei Jahre dauern.
Besonders in Bodenwerder wird der Zustand der Fachräume als problematisch beschrieben. Sie befinden sich demnach in einem desolaten Zustand. Bereits die Planung einer Sanierung dieser Räume würde mehr Zeit beanspruchen als der Neubau der Schule in Eschershausen.
Auch an der Oberschule in Stadtoldendorf sind umfangreiche Investitionen erforderlich. Dort gelten unter anderem die Fassade als marode und die Heizungsanlage als deutlich veraltet.
Hohe Kosten bei Sanierung der bestehenden Schulen
Die finanziellen Auswirkungen spielen in der Debatte eine zentrale Rolle. Nach aktuellen Berechnungen belaufen sich die Kosten für die geplanten Bauvorhaben im Landkreis derzeit auf rund 116 bis 117 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung einer Risikorückstellung von zehn Prozent sowie eines Baupreisindex von drei Prozent könnte sich das Gesamtvolumen auf bis zu rund 132 Millionen Euro erhöhen.
Allein der Erweiterungsbau der Förderschule Geistige Entwicklung in Bodenwerder ist derzeit mit etwa 21,2 Millionen Euro veranschlagt. Für den Neubau in Delligsen werden rund 22,4 Millionen Euro kalkuliert, für Eschershausen etwa 58,5 Millionen Euro und für den Erweiterungsbau der Oberschule Holzminden rund 14,6 Millionen Euro.
Eine Variante ohne Neubauten, dafür mit umfassenden Sanierungen der bestehenden Schulen in Bodenwerder, Stadtoldendorf und Eschershausen, würde nach Einschätzung des Landkreises rund 140 Millionen Euro kosten.
Moderne Neubauten als Teil der Schulplanung
Parallel zu den politischen Diskussionen arbeitet der Landkreis an mehreren Bauprojekten. Geplant sind moderne Schulgebäude mit offenen Lernbereichen, viel Tageslicht und neuen pädagogischen Raumkonzepten
Die neue Schule in Eschershausen soll in drei große Lerncluster gegliedert werden, die über einen zentralen Hauptgang miteinander verbunden sind. Auch bei den Projekten „Oberschule Holzminden“ und „Ober- sowie Grundschule Delligsen“ stehen helle Räume und moderne Architektur im Mittelpunkt. In Delligsen wird die Oberschule über ein gemeinsames Foyer mit der Grundschule verbunden.
Der Erweiterungsbau der Förderschule Geistige Entwicklung in Bodenwerder soll in Holzbauweise entstehen.
Ausschreibungen starten im März
Die vier Bauprojekte sollen getrennt, aber zeitgleich ausgeschrieben werden. Der Start der Ausschreibungen ist für März vorgesehen. Die eingehenden Angebote sollen im Juli ausgewertet werden. Anschließend ist geplant, dass der Kreistag im September über die Vergaben entscheidet.
Ziel des Landkreises ist es laut Schünemann und Buberti, einen wirtschaftlichen Preis zu erreichen, gleichzeitig aber auch architektonische Qualität zu sichern und im Zeitplan zu bleiben.
Parallel zur Schulplanung wird zudem das Konzept für den Schülerverkehr überarbeitet. Durch die geplante Reduzierung der Schulstandorte wird erwartet, dass sich die Organisation des Transports künftig verbessern könnte.
Ein Beispiel für mögliche Auswirkungen moderner Schulgebäude sieht der Landkreis im Campe-Gymnasium in Holzminden. Dort seien nach dem Umzug in den sogenannten „Blauen Würfel“ die Schülerzahlen wieder gestiegen.
Gleichzeitig laufen Gespräche zwischen Landkreis und Gemeinden darüber, wie mögliche leerstehende Schulgebäude künftig genutzt werden könnten.
Fotos: Landkreis Holzminden