Deensen (msp). Was tun, wenn sich jemand verletzt? Wie setze ich einen Notruf ab? Und wie kann ich helfen, ohne Angst zu haben? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt eines besonderen Angebotes an der Grundschule Deensen: der Erste-Hilfe-AG.
Initiiert wurde das Projekt von der Ärztin Dominique Wohlfarth. Mit ihrer Idee, einen Schulsanitätsdienst bereits im Grundschulalter aufzubauen, betritt sie bewusst neues Terrain. Während entsprechende Angebote an weiterführenden Schulen längst etabliert sind, beginnt die Ausbildung hier schon bei den Jüngsten, von Klasse 2 bis 4. „Mein Motto ist: So viele Menschen wie möglich in Erster Hilfe auszubilden und warum dann nicht auch schon im Grundschulalter damit beginnen?“
Unterstützt wird sie dabei von einem engagierten Team mit medizinischem Hintergrund: Notfallsanitäterin Aline Schwannecke und Gesundheits- und Krankenpflegerin Regina Knol bringen ihre praktische Erfahrung ehrenamtlich ein. Gemeinsam vermitteln sie den Kindern grundlegende Fähigkeiten der Ersten Hilfe – vom Anlegen von Verbänden über die stabile Seitenlage bis hin zum richtigen Absetzen eines Notrufs. In ihrer besonderen Konstellation, mit einem geballten medizinischen Hintergrund, sind sie zurzeit einmalig im Landkreis Holzminden.
„Man ist nie zu klein, um Ersthelfer zu sein“, sagt Schwannecke. Genau dieser Gedanke prägt die Arbeit in der AG. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und den Kindern Sicherheit im Umgang mit Notfallsituationen zu geben.
Dass das funktioniert, zeigt sich schnell im Unterricht: Die Schülerinnen und Schüler gehen oft unvoreingenommen an die Übungen heran und handeln intuitiv. „Viele bringen ein gutes Gespür dafür mit, was in solchen Situationen zu tun ist“, beobachtet Knol. Neben den praktischen Fähigkeiten spielt deshalb auch das soziale Miteinander eine wichtige Rolle. Empathie, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zu helfen werden gezielt gefördert.
Die Inhalte der AG wirken dabei über die Schule hinaus. Einige Kinder tragen ihr Wissen in die Familien weiter, üben mit ihren Eltern die stabile Seitenlage oder stellen Fragen zu deren Erste-Hilfe-Kenntnissen. In einem Fall konnte ein Kind das Gelernte sogar bereits anwenden und setzte zu Hause einen Notruf ab.
Die Materialien für die AG, wie Mappen und Übungsblätter, hat Dominique Wohlfarth selbst erstellt.
Ein besonderes Element der AG ist „Teddy Trost“ – ein Maskottchen, das verletzte Kinder begleiten darf. Es soll helfen, Ängste zu nehmen und Trost zu spenden, wenn nach einem kleinen Unfall der Unterricht weitergeht.
Langfristig verfolgt Dominique Wolfarth ein klares Ziel: Die Kinder sollen als Schulsanitätsdienst aktiv werden – in den Pausen auf dem Schulhof und bei Veranstaltungen. Unterstützt wird das Projekt künftig auch durch Einblicke in die Arbeit von Rettungsdienst, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen.
Die Erste-Hilfe-AG in Deensen zeigt: Lebensrettende Maßnahmen lassen sich altersgerecht vermitteln – und das mit großem Engagement und viel Praxisnähe. Ein Ansatz, der Schule macht.